Neu und Aktuell

Meditative und explosive Farbexperimente

Aus der Idsteiner Zeitung von Susanne Gross

„So vielartig wie das Leben“ lautet der Titel der aktuellen Gemeinschafts-Ausstellung im Idsteiner Kulturforum Speicher. Die Mitglieder der Gruppe UnARTig spielen damit sowohl auf die Vielfalt bei der Wahl ihrer Themen als auch auf die Unterschiede in ihren bevorzugten Stilformen an. UnARTig: Das sind die aus dem Großraum Mainz stammenden Malerinnen Elena Schmeken, Renate Leoff und Kirsten Schankweiler. Zusammengeschlossen haben sich die drei Frauen vor vier Jahren. Seither betreiben sie gemeinsam eine Galerie in der Mainzer Altstadt und teilen sich dort ein Atelier.
Die drei Frauen präsentieren erstmals ihre Arbeiten in Idstein. Dabei reicht ihre Palette von realistischen Stillleben über expressive Bilder rund um viele Facetten der Natur bis hin zu meditativen oder explosiven Farbexperimenten. Mitgebracht haben die Malerinnen 44 Arbeiten, ausgeführt zumeist in Acryl auf Leinwand. Hinzu kommen Ölbilder, in Mischtechnik gestaltete Werke, ein Pastell und eine Auswahl an Tuschezeichnungen.

Elena Schmeken

Die in Mainz lebende Elena Schmeken steht für die Position der realistischen Bilder. Sie zeigt acht Arbeiten, vorrangig Stillleben sowie bildliche Metaphern für Vertrauen und Zuversicht. Als malerisch und thematisch besonders reizvoll erweisen sich ihre Stillleben, in denen sie auf unterschiedliche Arten das Thema Malerei aufgreift.
In zwei aufeinander bezogenen Bildern drapiert sie Malutensilien und Kaffeegeschirr auf der obersten Stufe einer Leiter. Hier steht das Thema Malen als Renovieren oder Anstreichen, im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit. In klassischer Manier bildet Elena Schmeken eine silberne Zuckerdose mit schwarzen Henkeln ab. Darin spiegelt sich der Würfelzucker. Einer weißen Kaffeetasse mit Löffel sind zwei Pinsel sowie ein Abstreifer hinzugefügt. Die Komposition wirkt wie ein Sinnbild für gleichermaßen Abstand wie Nähe zum Schaffensprozess.
Renate Leoffs Bilder hingegen sind von ihrer expressiven Pinselführung sowie der Betonung der komplementären Wirkung der Farben bestimmt - vorzugsweise von Gelb- und Blautöne, wie in ihrer übergroßen gelben Rose, deren Blütenkörper stark gegen die blaue Farbe des Hintergrundes kontrastiert. Renate Leoff hegt eine Vorliebe für Bildinhalte, die im weitesten Sinn mit Natur zu tun haben. So stellt sie neben Fachwerkstudien ein gelbes Huhn namens Klara aus, bietet Reiher, Frosch oder Rosen zur Ansicht. Renate Leoff ist die experimentierfreudigste der drei Malerinnen, was die Verwendung ihrer Materialien angeht: Ihre zwölf Arbeiten sind teilweise in Acryl ausgeführt, doch sie nutzt auch Pastell, Öl oder Tusche für ihre Bildsprache.
Kirsten Schankweilers Arbeiten nehmen mit 22 Werken den größten Raum in der Ausstellung ein. Die in Limburg geborene Malerin setzt ausschließlich auf abstrakte Kompositionen. Dabei reicht ihre Bandbreite von ruhig angelegten Farbflächen bis hin zu explosiv sich ausbreitenden Farbexplosionen, die eine dynamische Stimmungslage ins Bildhafte übersetzen. Dazwischen positioniert ist ihre Arbeit „Lange genug Zeit“. Die auf zwei Bildtafeln verteilte Komposition ist nach dem gleichnamigen Titel von Cassandra Steen entstanden und wirkt wie die Widergabe einer Lebenskurve mit ihren Höhen und Tiefen und vitalen Intensitäten.
Die Ausstellung ist bis zum 28. Mai im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngasse 23 zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag, Sonntag und Feiertage von 11 bis 18 Uhr. Am Samstag 26. Mai: Geschlossene Gesellschaft. Der Eintritt ist frei.






Kleine Fluchten -Straßenfotografie von Reinhard Friedrich

Aus der Idsteiner Zeitung von Susanne Gross :

Rom ohne Spanische Treppe? Keine Spur der Rialto-Brücke in Venedig? Aufnahmen von Barcelona ohne Gaudi zu huldigen? Europäische Metropolen ohne touristische Highlights?
Reinhard Friedrich beschreitet einen anderen Weg in seinen Bildern, aufgenommen in europäischen Städten. In der Ausstellung „Kleine Fluchten“ im Idsteiner Kulturforum Speicher präsentiert der Fotograf über 30 schwarz-weiße Straßenszenen: Seine persönlichen Reiseerinnerungen an Städtetouren innerhalb der letzten zehn Jahre.

Selbstfotografie

Reinhard Friedrich setzt dabei auf die atmosphärisch Dichte des jeweiligen Moments. Stets gibt er seinem persönlichen Eindruck den Vorrang vor typischen Touristen-Highlights. Sein Kaleidoskop an Eindrücken wirkt einerseits fast beiläufig und authentisch, zeigt sich andererseits komponiert und mit Sinn für Raumaufteilung und die Wirkung von Licht und Schatten. Komplexe Bildmotive wechseln mit rhythmischen Kompositionen: Eine belebte Straßenszene in Dublin steht gleichberechtigt neben einem verwaisten Straßenzug in Mailand.
Seine Straßenfotografie im weitesten Sinn umfasst belebte Plätze in Barcelona ebenso wie Passanten und einen Straßenmusikanten in einer Einkaufsstraße von Dublin. Sein Blick auf die Wasserstraßen in Venedig, die Grachten von Amsterdam oder das Meer vor Cadiz beziehen Wasserstraßen als Lebensraum außerhalb des Häuslichen mit ein.
Nächtlichen Aufnahmen oder Tageslicht: Oft wirkt die Lichtquelle als einer der entscheidenden Aspekte in der Komposition des Fotografen. Je nach Witterung und Tageszeit reicht die Palette von scharfen Schlagschatten und präziser Ausleuchtung bis hin zu körniger Bildstruktur, die Dunst oder nächtliche Feuchtigkeit einfängt.
Beständigkeit und Bewegung, die Wirkung von Licht und Schatten greift Reinhard Friedrich bei einem Bild aus dem Jahr 2009 auf. Die Fotografie ist in Sevilla entstanden. Das Bild zeigt die Front einer Bar. „Tintoretto“ ist über dem Eingangsbereich zu lesen. Der Schriftzug ist erleuchtet und dient gleichzeitig als Lichtquelle für die Fotografie. Im Bildvordergrund bewegen sich Menschen als schwarze Schemen durch die sie dunkel umhüllende Nacht. So stehen die scharfen Begrenzungen des Schriftzuges den verschwommenen Konturen der Menschen gegenüber. Hell und dunkel kontrastieren in der Aufnahme. Die undurchdringliche Tiefe des Bildhintergrundes steht gegen die Zivilisation im Vordergrund.
Eine Besonderheit stellt das indirekte Selbstportrait des Fotograf dar. Reinhard Friedrich lichtet sich selbst durch ein Schaufenster hindurch in den Spiegel der Auslage ab. In dieser Aufnahme verschmelzen unterschiedlichste Ebenen miteinander: Die Auslage der Schaufensterscheibe wird durchdrungen von der Spiegelung der Häuserfront. Gleichzeitig erscheinen ein Teil der Fassade und ein parkendes Auto im Spiegel. Wie ein Sinnbild für die Ausstellung wirken diese unterschiedlichen Dimensionen: Straßenszenen von reduziert bis belebt, Tag und Nacht umfassend, teils beiläufig, teils fokussiert.
Die Ausstellung „Kleine Fluchten“ ist bis zum 6. Mai im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngasse 23 zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.




„Abstraktion der Wirklichkeit“ Linienbilder von G. Hegemann

Aus der Idsteiner Zeitung von Susanne Gross :
Klar strukturierte Bilder, durchdacht, komponiert und geordnet, dennoch variationsreich und organisch gestaltet: Diesen Balanceakt beherrscht mit großem Können der Maler Gerhard Hegemann. Der Wiesbadener Künstler präsentiert im Idsteiner Kulturforum Speicher seine Werke unter dem Titel „Abstraktion der Wirklichkeit“. Nicht umsonst trägt die Ausstellung den Untertitel „Linienbilder“, denn charakteristisch für die in Harzöl auf Nessel ausgeführten Arbeiten ist die Betonung der Vertikalen – unabhängig davon, ob die Bilder im Hochformat oder im Querformat ausgeführt sind.
Gerhard Hegemann zeigt sechzehn Arbeiten aus den letzten zehn Jahren. Dabei stellt er sowohl Originale als auch den Bildern vorangegangene Studien aus.

Vernissage Hegemann

Fern jeder Gegenständlichkeit hat der Künstler zu einem eigenen Stil gefunden, der die Realität und seine Inspirationsquellen vollkommen abstrahiert und konsequent einem eigenen System folgt.
Einerseits sind die Arbeiten durch eine sehr genaue Abgrenzung der aneinander stoßenden Farbflächen geprägt. Doch gleichzeitig gestaltet Gerhard Hegemann diese Farbfelder in sich sehr organisch: Hier verlaufen Farbnuancen harmonisch ineinander. Besonders deutlich wird dies beim Werk „Orpheus und Eurydike“, einem Bild im Querformat von 100 auf 156 Zentimeter. Die Arbeit präsentiert sich als Komposition von senkrecht nebeneinander gestalteten Farbflächen. Dunkle und helle Töne hat der Maler hier nebeneinander gesetzt. Doch darüber hinaus erweist sich das Bild bei genauem Hinsehen als variationsreiches Zusammenspiel von Ordnung und organischen Übergängen. So bildet in den senkrecht strukturierten Farbflächen die pastose und waagrechte Pinselführung der aufgetragenen Farben einen Kontrapunkt zur Geradlinigkeit und Struktur. Lediglich vier einzelne Rechtecke erweisen sich als rein in ihrer dunklen Farbe und glatt in ihrer Oberflächenstruktur. Feine Betonungen, Nuancen und Variationen lassen das Bild kompakt und intellektuell wirken, ohne ihm Schwere zu verleihen.
Ähnlich verfährt der Maler bei der Arbeit „“Wald des langen Wartens“. Hier erinnert die Struktur des Malgrundes an Baumstämme: Ein Astloch und die Borke scheint Gerhard Hegemann hier verewigt zu haben. Über der in erdigen Tönen gestalteten Fläche liegen graue Streifen von teils gerader Struktur, teils organischer Linienführung. Vereinzelt setzen goldene Rechtecke Blickfänge.
In der Arbeit „Die letzte Welt“ weicht Gerhard Hegemann von der strengen senkrechten Linienführung ab. In einen schwarzen Hintergrund öffnet sich eine graue Fläche, die von einem geradezu magisch wirkenden Licht erhellt wird. Fünf klobige Stufen führen wie eine stabile Himmelsleiter nach oben.

Einsames Boot am Strand - Erika Hofmann und Irmtraud Korf

Wie ein Spaziergang durch die heimische Flora mutet der Besuch der Ausstellung an, wie eine Wanderung durch Frühling Sommer und Herbst – mit Abstechern ans Meer.
Das Idsteiner Kulturforum Speicher startet mit der Ausstellung „Natur und Mehr“ der beiden Hobbykünstlerinnen Erika Hofmann und Irmtraud Korf in die neue Saison.
Die beiden in Kelkheim lebenden Hobbymalerinnen präsentieren 41 Arbeiten, konzentrieren sich in ihren Malweisen auf Acryl und Aquarell. Der Focus ihrer Themen liegt dabei einerseits bei der naturalistischen Wiedergabe von heimischen Blumen: Von Schneeglöckchen über grünen Mohn bis hin zu Sonnenblumen reicht die Palette. Vereinzelt mischen sich darunter Motive, welche die Natur in einem größeren Zusammenhang erfassen und wiedergeben: Eine herbstliche Landschaft oder ein blühendes Rapsfeld, Zum anderen widmen sich die beiden Malerinnen Meeresansichten.
Die Arbeiten von Erika Hofmann und Irmtraud Korf stammen aus der Zeit nach ihrem aktiven Berufsleben. Erika Hofmann stellt Bilder aus den letzten 12 Jahren aus. Von Irmtraud Korf sind Werke ab 2007 zu sehen.
Beide Malerinnen begegnen sich in ihren Bildern thematisch, beiden Frauen hat es die bunte Vielfalt heimischer Blüten und generell die Natur angetan.
So arrangiert Erika Hofmann zwei graugrüne Kürbisse mit ihren gelben Blüten und zwei reife Birnen zu einem Stillleben. Bei dem Bild „Herbst am See“ spiegelt sich das braun verfärbte Laub der Bäume in der Wasseroberfläche. Eine Besonderheit stellt ihre Arbeit „Bambus“ dar. Hier gestaltet Erika Hofmann ein Dyptichon. Vier Bambuszweige überziehen zwei zusammengehörige Leinwände, betonen in ihren Diagonalen die vertikale Bildlinie. In der Arbeit „Meer“ brechen sich Wellen am Ufer eines sandigen Strandes. Strandhafer wuchert an zwei Stellen und Fußabdrücke führen zum Wasser.
Auch Irmtraud Korf widmet sich Wasser, Wind und Wellen. Jedoch zeigt sich ihr Stil abstrahierter, atmosphärischer. Himmel und Wasser sind kaum voneinander zu unterscheiden, gehen als Farbflächen ineinander über. Bei der Arbeit „Boot am Meer“ dient ein kleiner Kahn als Blickfang. Das einsames Boot ragt in den Sand hinein. Himmel und Strand gestaltet die Malerin in annähernd den gleichen lichten Farbtönen. Einzig die Wasseroberfläche liegt als dünner Streifen blauer Komplementärfarbe in der unteren Bildhälfte.
Irmtraud Korf gestaltet in ihren Blumenbildern die Blütenköpfe übergroß - vor wenig konturierten Hintergründen: Pfingstrosen mit ihrem grünen Laub, filigrane Gänseblümchen in rose und weiß, einen verblühten Löwenzahn.

Zu sehen ist die Ausstellung „Natur und Mehr“ bis zum 18. März im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngasse, 23. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Strand von Erika Hofmann

Die Arbeiten von Erika Hofmann und Irmtraud Korf stammen aus der Zeit nach ihrem aktiven Berufsleben. Erika Hofmann stellt Bilder aus den letzten 12 Jahren aus. Von Irmtraud Korf sind Werke ab 2007 zu sehen.
Beide Malerinnen begegnen sich in ihren Bildern thematisch, beiden Frauen hat es die bunte Vielfalt heimischer Blüten und generell die Natur angetan.
So arrangiert Erika Hofmann zwei graugrüne Kürbisse mit ihren gelben Blüten und zwei reife Birnen zu einem Stillleben. Bei dem Bild „Herbst am See“ spiegelt sich das braun verfärbte Laub der Bäume in der Wasseroberfläche. Eine Besonderheit stellt ihre Arbeit „Bambus“ dar. Hier gestaltet Erika Hofmann ein Dyptichon. Vier Bambuszweige überziehen zwei zusammengehörige Leinwände, betonen in ihren Diagonalen die vertikale Bildlinie. In der Arbeit „Meer“ brechen sich Wellen am Ufer eines sandigen Strandes. Strandhafer wuchert an zwei Stellen und Fußabdrücke führen zum Wasser.
Auch Irmtraud Korf widmet sich Wasser, Wind und Wellen. Jedoch zeigt sich ihr Stil abstrahierter, atmosphärischer. Himmel und Wasser sind kaum voneinander zu unterscheiden, gehen als Farbflächen ineinander über. Bei der Arbeit „Boot am Meer“ dient ein kleiner Kahn als Blickfang. Das einsames Boot ragt in den Sand hinein. Himmel und Strand gestaltet die Malerin in annähernd den gleichen lichten Farbtönen. Einzig die Wasseroberfläche liegt als dünner Streifen blauer Komplementärfarbe in der unteren Bildhälfte.
Irmtraud Korf gestaltet in ihren Blumenbildern die Blütenköpfe übergroß - vor wenig konturierten Hintergründen: Pfingstrosen mit ihrem grünen Laub, filigrane Gänseblümchen in rose und weiß, einen verblühten Löwenzahn.

Zu sehen ist die Ausstellung „Natur und Mehr“ bis zum 18. März im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngasse, 23. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Holde Knaben.... Das Kabarett Vollmund zur Weihnachtszeit

Aus der Idsteiner Zeitung vom 07.12.2011
Von: Susanne Gross


Musikalische Einlagen wechselten mit Witzen, kurze Geschichten lösten Sketche ab. Das Trio „Vollmund“ gastierte pünktlich zur Adventszeit im Idsteiner Kulturforum Speicher mit melodiöser bis munterer Unterhaltung. Der Tenor Michael Senzig, Schauspieler Micki Bertling und die Pianistin Maki Kojima unterhielten die Besucher mit ihrem Weihnachts-Programm: „Holde Knaben mit lockigem Haar“.
Die Rollen sind klar verteilt: Michael Senzig gibt den gefühlvollen und sentimentalen Idealisten - elegant gekleidet mit rotem Samtfrack, Kummerbund und Fliege. In der Vorweihnachtszeit wird ihm feierlich ums Herz. Micki Bertling hingegen besetzt die gegensätzliche Position: Nüchtern, provokant, bisweilen mit einer Prise Sarkasmus verkündet er: „Was ist das gute an Weihnachten? Die Vorweihnachtszeit ist endgültig vorbei!“ Maki Kojima liefert den running gag, indem sie jede der ihr gestellten Fragen mit „Keine Ahnung“ beantwortet.

Mit dem Lied „Der Weihnachtsmann kommt heute in die Stadt“ eröffnen Michael Senzig und Micki Bertling ihr Programm. Während Senzig singt, betritt Bertling mit rot-weiß gestreifter Zipfelmütze, dem typischen roten Mantel und weißem Vollbart die Bühne.
Schnell wechseln die Szenen, folgen auf die gesanglichen Beiträge von Michael Senzig kurze Dialoge, die generell in einen Schlagabtausch zwischen beiden Männern ausufern. Zumeist liefert Micki Bertling das Stichwort für den nächsten Titel von Michael Senzig. Von „Halleluja“ über „Ave Maria“ bis hin zu klassischen Weihnachtsliedern wie „Weißer Winterwald“ reicht das Repertoire.
Witze und Geschichten gehören in das Repertoire von Micki Bertling. So erzählt er die Geschichte vom kleinen Jens. Drei, vier Sätze, trockener Humor, die Pointe – das reicht. Ein kleiner Junge entführt das Jesuskind aus der Grippe in der Kirche. Er flüstert dem gekidnappten Jesuskind zu. „Wenn ich dieses Jahr wieder kein Fahrrad zu Weihnachten bekomme, siehst Du Deine Eltern nie wieder.“
Lebhafter wird es auf der Bühne, wenn Bertling und Senzig kleine Sketche aufführen: Micki Bertling gibt den Arzt im weißen Kittel. Michael Senzig konsultiert ihn aufgrund massiver Beschwerden. „Es klopft mein Herz Bumm Bumm“ singt er. Auf die Frage: „Stehen Sie unter Stress?“ pariert er: „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Fraun“. „Was machen Sie beruflich?“ beantwortet Senzig gesungen mit „Ja ich bin der Weihnachtsmann“. So entwickelt sich der Arztbesuch zur Therapiestunde und zum musikalischem Potpourri.
Weihnachtswünsche? Ein wichtiges Thema für das Duo: „Einen Nachbarn, der mich in Ruhe lässt. Einen Bauch, der nicht dicker wird. Ein Finanzamt, das immer geschlossen hat“, zählen sie auf. Micki Bertling wünscht sich überdies, dass er richtig singen kann. Denn bislang gelingt ihm nur das Ein-Ton–Lied. Monoton leiert er herab: „Hört auf dieses schöne Lied, es hat nur einen Ton“.
So spielen sich die „Holden Knaben ohne lockiges Haar“ die Bälle zu und wechseln einen Abend lang zwischen Lustigem und Liedgut.



Aus der Idsteiner Zeitung vom 28.11.2011 : von Susanne Groß

Alles ist Kunst! Ewiges Weben. Dem Sein dürstet, sich selbst zu begegnen.“ Diese Zeilen von Sandra Voß erweisen sich als charakteristisch für ihre Arbeiten sowie für die Ausstellung ihrer Werke unter dem Titel „Weltenwanderung“ im Idsteiner Kulturforum Speicher.
Die in Bad Camberg lebende Künstlerin präsentiert erstmalig ihre Bilder, Fotografien, Gedichte und Gedanken in Idstein.
Auffällig ist, dass Sandra Voß keiner festen Richtung folgt, keinen durchgängigen Stil kultiviert. Vielmehr entfaltet sich vor dem Besucher ein Kaleidoskop an kleinen und größeren Bildern und Fotografien.

Weltenwanderung

Auffällig ist, dass Sandra Voß keiner festen Richtung folgt, keinen durchgängigen Stil kultiviert. Vielmehr entfaltet sich vor dem Besucher ein Kaleidoskop an kleinen und größeren Bildern und Fotografien. Schon die dichte Hängung der Arbeiten im Treppenaufgang führt durch und in eine andere Welt. Die Autodidaktin gestaltet mit Pastellkreide, malt in Öl, nutzt Buntstifte oder Gouache zum Ausdruck. Daraus erwachsen Bilder, die in kein Raster zu stecken sind: Schwarz-weiße Graphiken, die einem Märchenbuch entliehen sein könnten, Bilder in Pastellkreide, deren Pinselführung vegetativen Formen folgt. Minimale Format, Postkartengröße, doch auch große Leinwände füllt Sandra Voß mit Farbe.
Letztendlich wirken ihre Bilder ungekünstelt und experimentierfreudig, ausdrucksstark und unprätentiös. Oftmals verzichtet sie sogar auf einen Rahmen oder ein Passepartout. Stattdessen steckt sie die Arbeiten vor bunten Karton. Es wirkt vielfach so, als ob Sandra Voß große Offenheit für den Prozess der Bildwerdung zeigt, den inneren Zensor ausschaltet.
Geradezu surrealistische Züge zeigt das Ölbild „Die Gabe“ oder „Das Opfer“. Die Seiten eines aufgeblätterten Buches verwandeln sich in ein Meer: Weiße Wellenkämme über schwarzem Wasser. Darüber scheint der volle Mond; violette Wolkenbänder ziehen über den Nachthimmel. Rechterhand wachsen dekorative florale Elemente in das Bild hinein. Dazwischen als weitere Anhaltspunkte eine Muschel und die Schwanzflosse eines Fisches. Doch letztendlich bleibt die Arbeit frei für jegliche Interpretationen.
Auch ihre Zeichnungen mit schwarzen Pigmentstiften kommen märchenhaft daher. Ein Kopf scheint dem Erdboden zu entwachsen. Dabei gehen dessen Gesichtsformen fließend in die Natur über. So wird das Kopfhaar des Gesichtes unversehens zum Gras. Bei genauem Hinsehen entdeckt man, dass aus der Braue des rechten Auges eine Schnecke aufschaut und die Wangenpartie einem Schneckenhaus gleicht.
Die mit Nadelbäumen bewachsenen kleine Planeten und Wolken erinnern an die Illustrationen aus dem Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Hinter Pilzhäusern und einer rot eingedeckten Kirchturmspitze, lugt der Mond hervor.
Zwischen den Gemälden hängen Gedichte - gedruckt oder kunstvoll geschrieben - sowie Fotos von einer Reise nach Algerien. Sandra Voß zeigt Alltagsmotive: Kinder auf einem Esel, Häuserfassaden, Stromleitungen, die sich wie ein Netz über die Straße spannen. Doch Sandra Voß hat die Bilder am Computer bearbeitet und deren Farben entfremdet. „Ich will erreichen, dass die Besucher zweimal hinsehen und denken: Da ist etwas anders“, betont sie.
Die Ausstellung „Weltenwanderung“ dauert bis zum 18. Dezember. Kulturforum Speicher, Borngasse 23, Idstein. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag 11 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.




„Wiederauferstehung“ die Ausstellung von Alexandra de Kempf

Aus der Idsteiner Zeitung, von Susanne Gross :

Sie ist schön, selbst in ihrem Zweifel und voller Anmut in ihrer Selbstoffenbarung. Ihre Haarpracht ähnelt einer Turmschnecke. Darin eingewirkt sind feine Messingdrähte, deren Enden in Spiralen auslaufen. In ihrer rechten Hand hält sie ein Stück Bauchdecke. Der Blick in den entblößten Leib öffnet die Sicht auf eine mit Geflecht überzogene Höhle. Dahinter: Ein ovaler Onyx. „The enemy within“. Der innere Feind - eine der ausdrucksstarken Arbeiten Alexandra de Kempf.
Die gebürtige Venezuelanerin stellt unter dem Titel „Wiederauferstehung“ 14 Collagen und 42 Skulpturen aus Steinzeug und Porzellan im Idsteiner Kulturforum Speicher aus. Die in Waldems-Bermbach lebende Künstlerin präsentiert damit erstmals ihre Arbeiten in einer sehr sehenswerten Einzelausstellung

Öffnungszeiten : Sa. u. So. 11:00 bis 17:00 Uhr
Eintritt frei !

Schneckenfrau

Alexandra de Kempfs ausgestellte Werke sind die Ernte der letzten zehn Monate. Ihre phantasievollen und phantastischen Collagen, Frauenkörper, Köpfe und Torsi verkörpern stets eine Emotion. Sie versinnbildlichen diese Aussage auf gleichermaßen ästhetische wie ausdrucksstarke Art und Weise und zeigen Einflüsse und Verschmelzungen unterschiedlicher Kulturkreise.
In ihren Bildern verbindet Alexandra de Kempf Papier, Acrylharz, Softpastel und Polyesterharz zu leuchtenden Collagen. Zehn davon widmet sie Frauenköpfen Immer wieder tauchen Schmetterlinge auf. Fische, Vögel und Blüten bereichern diesen Kosmos, dessen zentrales Thema doch stets der Mensch ist. Bei der Arbeit „Bruchstücke einer Frau“ umschwirren blaue Schmetterlinge eine weibliche Büste mit rotblondem Pagenschnitt. Rotgeschminkte Lippen betonen ihre Weiblichkeit. Das rechte Auge liegt in der längs geteilten Frucht einer Papaya. Auf dem Kopf der Frau thronen lila Blüten, aus denen ein Frosch herauslugt. Ihr Körper und ihr Gesicht sind überlagert von Streifen. Diese Schnittstellen teilen, zerstückeln, verletzen die Frau und fügen sie gleichermaßen wieder zusammen.
Alexandra de Kempf arbeitet auch bei ihren keramischen Arbeiten in Serien. So gibt es eine Reihe die sich „Las Meninas„ nennt - nach dem alten spanischen Wort für Kinder. Die kleinen, gedrungenen Figuren ohne Beine und Füße tragen allesamt einen Frauennamen. Charakteristisch für die Figuren ist deren Kopfschmuck, der ihnen Individualität und Schönheit verleiht: Ein Korb mit Ananas und Bananen auf dem Haupt von Carmen oder ein Vogel bei Matea. Die kleinen Menschen strahlen Originalität und Authentizität aus und verfügen über eine stille Erlaubnis, schön, individuell und besonders zu sein.
Alexandra de Kempf gelingt es in ihren Arbeiten selbst schmerzvolle Prozessen Anmut und Ästhetik zu verleihen: Bei der Arbeit „Gespalten“ klafft ein gebeugter Frauenkörper an zwei Stellen auf. Doch trotz der Brutalität der Verletzungen bewahrt die Figur sich ihre Schönheit und Würde. In der Plastik. In „Swirlthougts“ versinnbildlicht Alexandra de Kempf kreisende Gedanken. Die Künstlerin formte einen überlängten, als Spirale aufgezogenen Kopf, der die Zerrissenheit und Begrenzung ewiger Denkmuster zum Ausdruck bringt.
In der Ausstellung werden die Betrachter Zeuge der Wiederentdeckung und Entfaltung kreativer Kraft einer Künstlerin, die über ein Architekturstudium und ihre Arbeit als Pädagogin nun ihre Kunst wieder auferstehen lässt.
Die Ausstellung ist bis zum 20. November im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngasse 23 zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.


Bilder, die das Herz berühren

Von: Susanne Gross


Ein Kaleidoskop, das von der Interpretation Alter Meister über die Tierwelt Afrikas bis hin zu detailgetreuen Ansichten der Idsteiner Altstadt reicht, ist gegenwärtig im Idsteiner Kulturforum Speicher zu sehen. Unter dem Titel „Bilder, die das Herz berühren“ präsentiert Ilse Kalinowski 33 Ölgemälde. Die seit 1967 in Idstein lebende Malerin widmet sich in ihren Arbeiten einer breiten Vielfalt an Motiven. So portraitiert sie Tiere: Heimische Hunde, einen Leoparden, Weißkopfadler im Flug. Daneben arrangierte sie Irisblüten als Stillleben und nimmt Magnolien und Tulpen in den Blick. Zwei Landschafts-Tryptichen, abstrahierte Herzen sowie Abbildungen des historischen Stadtkerns ihrer Wahlheimat runden die Palette ab.
Die Ausstellung dauert bis zum 30.10.2011 und ist Sa. und So. von 11:00Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet.
Der Eintritt ist frei.

Tubu Normaden

Charakteristisch für die Arbeitsweise von Ilse Kalinowski sind die Vielfalt der Themen sowie ihre detailgetreue Ausführung. Markant bei ihren Arbeiten ist die realistische Wiedergabe von Menschen und Tieren. Ihr gelingt es, die seelenvolle Ausstrahlung der Geschöpfe auf die Leinwand zu übertragen und somit die Individualität der Dargestellten zu transportieren.
Bemerkenswert sind ebenfalls ihre Stadt-Ansichten. So wählt die Malerin für das Bild „Idsteiner Altstadt“ einen Ausschnitt mit Blick Richtung Killingerhaus und evangelischer Kirche. Ilse Kalinowski legt Wert auf perspektivisch genaue und detailgetreue Abbildungen des Fachwerks in Farben und Formen. Jeder Pflasterstein ist in ihrer Hommage an den historischen Stadtkern zu erkennen. Selbst der blaue Briefkasten vor der Touristen-Information findet seinen Platz.
Die Bilder „Tubu-Nomaden“ sowie „Das Geheimnis - Ennedi Gebirge“ sind wirkungsvoll über Eck platziert. Die Arbeiten kontrastieren und ergänzen sich in den gewählten Farben und im Inhalt. Bei „Ennedi-Gebirge“ zeigt Ilse Kalinowski eine Oase, verborgen in einer schwer zugänglichen Felsschlucht. Schroffes Felsgestein in feurigem Orange begrenzt den oberen Bildrand und unterstreicht die Kessellage dieses geheimnisvollen Platzes. Im unteren Teil des Bildes kontrastiert das Blaugrün der Wasserstelle. Dazwischen eine Karawane von Kamelen auf dem Weg zur Tränke. Zwei dort beheimatete Tubu-Nomaden portraitiert Ilse Kalinowskis in ihren traditionellen hellen Gewändern. Die dunkelhäutigen Männer tragen Tuniken in Beigetönen. Der ältere der beiden Männer hält ein traditionelles Jagd-Instrument in seiner rechten Hand. Beide blicken fragend in Richtung des Betrachters. Eine Momentaufnahme aus einer anderen Welt, die von Jagd und Schlichtheit geprägt ist.
Geradezu heiter und ein wenig frivol kommen Ilse Kalinowskis Frauenfiguren daher. Bei „Frau mit Piercing“ und „Frau in rot“ gestaltet sie die Körper zu übertrieben sinnlichen Figuren. Auffällig üppig gerundet wirken deren Hüften und die überschlanken Taillen. Ilse Kalinowski gibt die Realität der Proportionen auf. Sie karikiert die Frauen zu Lustobjekten mit geschlossenen Augen und sinnlich rot geschminkten Lippen.
Die Ausstellung dauert bis zum 30.10. - Öffnungszeiten des Speichers, Borngasse 23: Samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.


Rezepte für ein besseres Leben

Aus der Idsteiner Zeitung.

Von: Susanne Gross


Können rosafarbene Hemden von Dolce & Gabbana, ein Salsa-Kurs oder die nächste Diät glücklich machen? Antworten auf diese Fragen lieferte das Trio „Vollmund“ bei seiner Premiere im Idsteiner Kulturforum Speicher. Der Tenor Michael Senzig, Schauspieler Micki Bertling und die Pianistin Maki Kojima servierten dem Publikum „Rezepte für ein besseres Leben“. Die drei Künstler betrachteten Aspekte, Facetten und Zusammenhänge rund um das Thema Lebensqualität. Sie folgten den Bedeutungsspuren von Geld, Wellness und ewiger Jugend im Hinblick auf ein erfüllteres und glücklicheres Leben.

Vollmund im Speicher

Was als Kabarett angekündigt war, entpuppte sich als Musikrevue. Die beiden Männer boten ein Programm, bei dem sich weniger eine Pointe an die andere reihte. Vielmehr durchmischten sie ihre Dialoge mit einer Vielzahl an musikalischen Beiträgen. Gerade die Tenoreinlagen von Michael Senzig verliehen dem Abend einen prägenden Charakter. Senzig griff bei der Liedauswahl zu bekannten Melodien und alten Schlagern, etwa „Es muss was wunderbares sein, von Dir geliebt zu werden“ nach Peter Alexander oder „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. Michael Senzig unterstrich seine mit kraftvoller Stimme vorgetragenen Lieder mit so manchem Augenaufschlag, griff sich ans Herz, breitete seine Arme weit aus und warf intensive Blick zu den Damen im Publikum.
In ihren Dialogen spielten Micki Bertling und Michael Senzig hingegen mit Klischees und provokanten rhetorischen Fragen, die an Ironie und einen Schlagabtausch erinnern sollten. Etwa wenn sie aufzählten, welche Dinge zum Glück verhelfen: Teure Hotelzimmer, Vitamincocktails, Empfänge an ausgewählten Locations - von der Werbung als Glücksbringer suggerierte Notwendigkeiten.
„Wir müssen leider das Programm kurz unterbrechen“, verkündete Michael Senzig nach der Pause. Stattdessen kündigte er Micki Bertling als Herrn Heidle an – den Leiter der Werbeabteilung. Bekleidet mit einem rot-karierten Hemd, einer zu kurzen Kinderkrawatte um seinen Hals und wilder Perücke auf dem Kopf präsentierte Herr Heidle einen Heftklammerer als das ideale Weihnachtsgeschenk für die gesamte Familie: Heidle alias Bertling führte vor, dass sich das Gerät zum Anheften von Hasen an das Kinderbett, von Blumen an die Wand und Postkarten an den Fernseher eignet. Doch auch bei abstehenden Ohren, rutschenden Kondomen und künstlichen Fingernägeln empfahl er dessen Einsatz.
Die drei Künstler verabschiedeten sich nach anderthalb Stunden Programm mit einem letzten Schlager: „Wir werden jede Nacht von Ihnen träumen. Ihr Anblick wird uns unvergesslich sein“.

Weiterer Termin: 4. Dezember, 19:30 Uhr im Speicher, Borngasse 23, Idstein mit dem Programm „Holde Knaben mit lockigem Haar“.




Mehr Wein für alle -Riesling frißt Gift

Aus der Idsteiner Zeitung.
von: Susanne Gross


„Weinlesung soll animieren, inspirieren, aktivieren, Phantasie stimulieren und beim Speisen amüsieren“, schreibt Dr. Winfried Rathke. Der pensionierte Augenarzt aus Geisenheim gastierte mit weinseligen Zitaten aus der Weltliteratur, die von Heinrich Heine über Goethe bis zurück zu Sokrates reichten, mit metrisch verfassten Gedichten aus seiner Feder und alternativen Weinliedern am E-Piano im Idsteiner Kulturforum Speicher.

Lesung Rathke

Nahtlos geht Winfried Rathke von seiner Vorstellung in das Zitieren erster Sinnsprüche aus dem Munde von Voltaire und Baudelaire über, beginnt mit seinen amüsanten und satirischen Ausführungen, erreicht ein erstes selbst verfasstes Gedicht: Verse, die der passionierte Schreiber für eine Weinkönigin verfasste.
Als charakteristisch für den Schreibstil von Winfried Rathke erweist sich sein Hang zur Metrik. In Reimform verpackt er allerlei Wahrheiten und Witzeleien über edle Tropfen und Rebengewächse. Er beschreibt auf unterhaltsame Art, was Wein bewirkt und lobt den Nutzen von moderatem Weinkonsum. Rathke erläutert mit medizinischen Vokabeln einen Rausch und belehrt die Anwesenden, dass Rotwein gut gegen Prostatabeschwerden ist: “Mann wird von Tag zu Tag gesunder, durch ein Glas Spätburgunder“, verkündet er.
Winfried Rathke steht hinter seinem Stehpult, trägt aus seinen Manuskripten vor, tritt dabei einen Schritt zurück und untermalt seinen Vortrag über den Weg eines „Weinschlucks“ durch den menschlichen Organismus mit Gesten, fasst sich an den Magen, breitet die Arme aus, schüttelt seinen Kopf. Kurzum: Er ist in seinem Element und versteht es, mit pointenreichen Versen die Besucher Satz für Satz zu amüsieren.
Ab und an unterbricht er seine Rede, wechselt von Zitaten und Anekdoten aus seiner Zeit als Augenarzt zu einem seiner alternativen Weinlieder: Er setzt sich an das E-Piano und singt über die Wirkung des Weins: „Die Seele wagt den Salto, Schüchternheit ist weggeblasen, der Mensch wird kommunikationsbereit“, erklärt er den Besuchern. Auch von Wein-Wanderungen weiß Rathke zu berichten: „Der Winzer wandert für sein Leben gern, CO2 wandert zu Luft, Fasswein wandert in die Flasche und Wein wandert ins Glas“, und Rathke setzt seine Ausführungen bis hin zur Verdauung fort.
Auch erzählt der gebürtige Ostpreuße Rathke von Perkeo, einem gnomhaften Narr am Hofe von Kurfürst Karl Philipp in Heidelberg. Bis zu 20 Litern Wein soll der kleinwüchsige Mann pro Tag getrunken haben – und das über einen Zeitraum von 80 Jahren hinweg. Als ihm ein Arzt schließlich den Weinkonsum verbat und ihm befahl auf Wasser umzusteigen, starb Perkeo prompt am kommenden Tag.
Neben seinen Versen rund um den Rebensaft versteht es Rathke auch, tagesaktuelle Aspekte in seinen Vortrag mit einzubeziehen. „Als Satiriker freue ich mich über alles, was schief geht, Das bietet immer Schreibstoff. Ich fabuliere jeden Tag über Irrsinn ohne gleichen“, sagt Rathke.
Weit über eine Stunde weiß. Winfried Rathke mit seiner „Therapie für die Seele“ die Besucher zu unterhalten und ihnen ein Schmunzeln mit auf den Heimweg zu geben.


Akt und abstrakt

Die Ausstellung "Naturelle" von D. Vittinghoff und S. Schwarze

Von: Susanne Gross


Unter dem Titel „Naturelle“ stellen Sabine Schwarze und Daniela Vittinghoff erstmalig gemeinsam ihre Acrylarbeiten im Idsteiner Kulturforum Speicher aus. Zwei Frauen, zwei Themen: Hier Abstraktion, dort der weibliche Körper im Focus.

Die Ausstellung dauert bis zum 2. Oktober. Öffnungszeiten des Idsteiner Speichers, Borngasse 23: Samstags und sonntags von 11:00 bis 18:00 Uhr.

Der Eintritt ist frei.





Meer

Die in Taunusstein lebende Malerin Sabine Schwarze präsentiert 25 Werke aus den Jahren 2009 bis zur Gegenwart: Zumeist gespachtelt, immer ungegenständlich, vereinzelt in Mischtechnik ausgeführt, einige mit Schnüren oder Spiegelglas als zusätzlichen Gestaltungselementen. Charakteristisch für die Arbeiten von Sabine Schwarze ist, dass sie in ihren abstrakten Werken nicht von einem konkreten Abbild ausgeht und dieses reduziert. Vielmehr setzt sie von Anfang an auf die Farbe. Sie modelliert und gestaltet diese oder arrangiert ihre breite Palette zu Farbflächen. Etwa bei „Abstrakt 101“, worin andeutungsweise Rechtecke zu erkennen sind, zumeist mit leicht ineinander fließenden Übergängen. Dieser Aspekt kommt noch deutlicher bei der großformatigen Arbeit „Nordsee“ zum Tragen. Zwar liefert der Titel dem Betrachter einen Anhaltspunkt zur Interpretation, andererseits zeigt sich das Bild frei für persönliche Assoziationen. Besonders gelungen wirkt der untere Teil des Werkes. Hier komponiert die Malerin an Meeresgrün, Gischt, einfallende Sonnenstrahlen und Wasserläufe erinnernde Farben zu einer spannungsreichen Farbfläche. Immer wieder scheint ein Bezug zur Natur bei den Bildern auf, etwa bei „Wilder Ozean“. Schwarzblaue Wellen rollen auf den Betrachter zu. Kein Himmel, kein Strand, einzig kraftvolle Wassermassen, deren waagerechte Komposition fünf Holzpfähle in der Senkrechten brechen.
So drückt sich Sabine Schwarzes Emotionalität über den Dialog der Farben, deren Gestaltung und Gewichtung aus.
Emotional auf andere Art sind die 18 Acrylarbeiten von Daniela Vittinghoff. Die in Hamburg lebende Malerin widmet sich in ihren Bildern dem weiblichen Körper. Dabei präsentiert sie die Akte zumeist als Torsi. Kopf, Hände und Füße fehlen oder sind lediglich angedeutet. Entsprechend wirken die Körper weniger als Portraits konkreter Frauen, sondern inszenieren vielmehr einen Typus. Die Frauen sitzen, zeigen sich hingebungsvoll ausgestreckt, selbstbewusst oder kauern am Boden. Zumeist verwendet die Malerin Farben, die sich einem naturalistischen Abbild der menschlichen Haut annähern. Oftmals geht der Bildhintergrund sanft auf dieses Farbenspiel ein. Selten setzt sie den Hintergrund in Kontrast zum Körper, wie etwa bei „Perfektion in Grün“ oder bei „Abkehr“, wo eine Frau unbestimmten Alters inmitten einer roten Fläche sitzt. Allein die graue Farbe des Körpers zeugt von ihrer Verschlossenheit, steht im krassen Widerspruch zur ungeschützten Nacktheit. Die Acrylfarbe trägt Daniela Vittinghoff mit einem Spachtel auf, was ein charakteristisches Nebeneinander an Farb-Nuancen in ihren Bildern ergibt.
Ihre aktuellen Arbeiten handeln von Leidenschaft, Selbstbewusstsein, Traummaßen oder Zweiklang. Bei diesem großformatigen Werk gleichen Namens hat die Malerin die Vorder- und Rückenansichten zweier weiblicher Körper auf drei Leinwände verteilt, Damit variiert sie ein weiters Mal ihre Ansichten weiblicher Körper.
Die Ausstellung dauert bis zum 2. Oktober. Öffnungszeiten des Idsteiner Speichers, Borngasse 23: Samstags und sonntags von 11:00 bis 18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.





Bild trifft Skulptur

Von: Susanne Gross


„Bild trifft Skulptur“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Idsteiner Kulturforum Speicher. Bis Ende August präsentieren Thommy Ha, Bernd Müller und Joachim Weissenberger Ölbilder, Acrylarbeiten und hintergründige Skulpturen aus Bronze, Stewalin oder Lindenholz

Nachläufer Foto: Klaus Gottschick

In den sechzehn Arbeiten von Thommy Ha gärt und brodelt es. Seine Bilder wirken so, als ob er darin Prozesse von großer Dynamik fixiert. Spannungsreich, voll eruptiver Kraft und Bewegung sind die Werke konzipiert. In seine aus Acryl oder in Mischtechnik gefertigten Bildern arbeitet Ha teilweise Kordel, Zeitungsausschnitte oder Metallplättchen ein. Viele seiner Werke kennzeichnet eine reliefartige Oberfläche. Die Farben und Formen fließen ineinander und vermischen sich. Reste an Ordnung oder Anfänge neuer Strukturen weist das Bild „Transformen“ aus dem Jahr 2010 auf. Darin arrangiert der in Mainz lebende Maler verschwommene Elemente neben strukturiertem Malgrund. Ha teilt das Bild diagonal. Im linken Bereich fächert er gelbe, rote und rotbraune Farben auf: Diesen dynamischen Bereich begrenzt er mit einem schwarzen Fluß. Auf der anderen Seite der Arbeit arrangiert er Röhren, die deutlich die Verlaufsrichtung der Energieströme kanalisieren. In der Arbeit „Spielball Welt“ gärt und brodelt es hingegen durchgängig. Die Erdoberfläche ähnelt in ihrem Querschnitt der menschlichen Derma. Ein letzter Baum kippt nach links. Der blaue Planet wirkt deformiert und beschädigt.
Kennzeichnend für die Skulpturen von Bernd Müller aus Köln sind ihre gesellschaftskritischen oder tiefsinnigen Aussagen. Der Künstler bearbeitet helles Lindenholz oder fertigt seine Plastiken und Reliefs in Bronze oder aus Stewalin-Giessmasse.
Menschliche Befindlichkeiten und Verhaltensmuster stehen im Mittelpunkt seines Schaffens. Die von ihm dargestellten Personen fungieren als Träger für Emotionen und Beobachtungen. Seine Bandbreite reicht dabei von zarten Empfindungen wie „Geborgenheit“ bis hin zu „Aufstieg“. Dabei zeigt er einen Mann mit Aktenkoffern, Jackett und Krawatte, der seinen linken Fuß auf dem Kopf eines am Boden knienden Mannes stützt. Auch bei der Arbeit „Nachläufer“ schlägt Bernd Müller kritische Töne an. Einer Führerfigur mit erhobenem Arm folgen sechs anonymisierte Personen. Müller stellt die Schar der Nachläufer ohne eigenen Kopf dar, bar einer eigenen Persönlichkeit. Die Mitglieder der Gefolgschaft tragen lediglich einen Zylinder statt eines Kopfes und folgen blindlings ihrem anerkannten Führer.
Joachim Weissenbergers Ölbilder bestechen durch ihre suggestive Kraft: Diese zeigt sich sowohl in der Wahl der von ihm verwendeten Farben als auch in den surrealistisch anmutenden Kompositionen. In seinen Werken schwingt Unbewusstes mit, dringt Tiefes an die Oberfläche und verbindet sich zu assoziativen Kompositionen, die einem Traum entsprungen sein könnten. Seine Arbeit „Das gelbe Haus“ wirkt wie in magisches Mondlicht getaucht. Ein hinter Bäumen und unter Wolken still daliegendes Haus zieht den Betrachter geradezu magisch an. Doch eine große Vase auf einem Fenstersims im Bildvordergrund versperrt ihm den Zutritt in die fiktive Szene.
Weissenbergers Zeichnungen offenbaren sein Talent für die naturgetreue Wiedergabe von Landschaften. Bei der Bleistiftzeichnung „Irland“ zeigt der in Obernburg am Main lebende Künstler ein Boot mit hochgezogenem Außenbordmotor. Darüber deutet er mit wenigen Strichen eine bewachsene Insel sowie die Küstenlinie an. In der Reduzierung auf Details wie im Verzicht auf Farbe drückt die Urlaubsimpression große Ruhe aus.
Die Ausstellung „Bild trifft Skulptur“ ist bis zum 28. August im Idsteiner Speicher, Borngasse 23 zu sehen. Öffnungszeiten jeweils Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Die Einnahmen aus dem Verkauf des Katalogs und 20 Prozent vom Verkaufserlös der Werke spenden die Künstler an das Diakonische Werk Rheingau-Taunus für die Idsteiner Tafel.



Von Lebensbildern --aus der Idsteiner Zeitung v. 11.07.2011

Menschen als Pflanzen, poetische Lichtspiele in filigranen Papierobjekten, Reflektionen über Kriegsenkel – Aspekte aus „Geheimnisvolle Welten“. Cornelia Oestreich-Seemayer gewährt den Besuchern der gleichnamigen Ausstellung Einblicke in ihre reflektierten und transformierten Auseinandersetzungen mit Lebensprozessen und Menschen.

Objekt von C. Oestreich-Seemayer

Zweiundzwanzig Bilder, dazu ein Mosaik, Arbeiten aus Speckstein, Buchpapier, Pergament und japanischem Batikpapier präsentiert die in Steinfischbach lebende Künstlerin und Leiterin von „Creative Wirkstatt“ im Idsteiner Kulturforum Speicher. Kennzeichnend für die Arbeiten von Cornelia Oestreich-Seemayer sind die Vielfalt der von ihr genutzten Techniken sowie die teilweise ungewöhnlichen Materialien: Sie wählt Tempera oder Pigmente, setzt Pflanzenfarben auf Holz oder greift zu Aquarell, Mischtechniken oder Gouache. Auf diese Weise verleiht sie ihren oft langjährigen Auseinandersetzungen mit Beobachtungen und inneren Fragestellungen Gestalt. Menschen und Menschliches als Ausgangspunkt und Zentrum.

Ihre „Geheimnisvollen Welten“ bleiben naturgemäß frei von Festlegungen. Jeder Betrachter kann die Bilder auf seine Art interpretieren. Die Titel der einzelnen Arbeiten liefern Anhaltspunke, was die Künstlerin bei der Herstellung und im Schaffensprozess bewegte. Sie laden ein, tiefer in das Wesen des Bildes einzusteigen, dennoch gewähren sie ausreichend Raum, um Malerei und Objekte ästhetisch zu genießen.

Cornelia Oestreich-Seemayers Malerei stammen überwiegend aus zwei Zyklen: Sie präsentiert Arbeiten aus den Serien „Menschen als Pflanzen“ und „Kriegsenkel“. So gestaltet sie einerseits Männer und Frauen entsprechend deren Persönlichkeiten in floraler Gestalt. Ihre Bilder, die sich mit der zweiten Nachkriegs-Generation beschäftigen, bleiben abstrakte, farbflächige Kompositionen. Die Künstlerin setzt dabei auf matte, erdige Farben oder auf leichte, helle Nuancen von Grün und Violett.

Das Bild „Lebenstempo“ fasziniert durch seine einander überlagernden Elemente. Die Künstlerin hat aus Gouache eine Spirale gestaltet, die im Zentrum von sechsundfünfzig kleinen Quadraten bedeckt wird. In die geordneten geometrischen Formen fügen sich vereinzelt Blätter, welche die Dynamik der Spirale aufgreifen. So verschmelzen in dieser Arbeit Lebendigkeit und Wachstum mit Ordnung und Systematik - und bilden ein Gleichnis für die Kontrapositionen des Lebens.

Filigran und poetisch wirken Cornelia Oestreich-Seemayers Arbeiten aus Papier. Eine Schale aus japanischem Batikpapier, koloriert und mit Wachs überzogen, leuchtet je nach Lichteinfall in transparenten Rosatönen oder lichtundurchlässig matt. Duftig kommen ihre mobile-artigen, auf Draht befestigten Pergamente daher: Gefaltet, abgenäht und farbig angelegt strahlen sie Leichtigkeit und Freude aus. Mal wirken sie heiter und leicht, dann wieder kompakt und flächig.

Die Komplexität von Cornelia Oestreich-Seemayers Wahrnehmungen drückt sich somit in der Vielzahl der verwendeten Techniken und in den Objekten selbst aus: Je, nach Blickwinkel oder Lichteinfall gewähren sie unterschiedlichste Zugänge und Deutungen und bewahren sich die Rätselhaftigkeit von geheimnisvollen Welten.

Die Ausstellung dauert bis zum 24.7. - Öffnungszeiten des Kulturforums Speicher, Borngasse 23, Samstag und Sonntag 11–18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Zur Ausstellung werden zwei Mal-Workshops angeboten: „Zufallskunst“ am 16.7. und „Malen auf ungewöhnlichen Malgründen“ am 23.7. Jeweils 15 bis 17:30 Uhr. Kosten: 15 Euro plus Material. Anmeldung unter 06087-9899828.

Susanne Gross



tArt-Orte im Speicher

Widersprüch­liches Repertoire – geeinte Spielfreude. Im Rahmen der tArt-Orte präsentierte das Ensemble Giocoso klassische Stücke für Klarinette, Querflöte und Klavier neben Klezmer und Oriental Jazz. Die fünfköpfige Formation um Ako Karim begeisterte mit diesem musikalischen Brückenschlag das Konzertpublikum im Idsteiner Kulturforum Speicher. Spielfreude, Können und temperamentvolle Arrangements bauten zudem eine Brücke zum Publikum, das mit dicken Jacken, Wolldecken und heißem Apfelwein den niedrigen Temperaturen trotzte.

Skulpturen aus Edelstahl von Franz Bernschneider

Standen zunächst klassische Kompositionen auf dem Programm, sorgten Rhythmus betonter Balkan-Gypsy und Orientfolk im weiteren Verlauf des Abends für eine beschwingte Stimmung unter den Besuchern.

Während der beiden Pausen konnten die Besucher aus Metall getriebene Bilder und Stahl-Skulpturen von Franz Bernschneider im Innenhof des Speichers sowie in den Ausstellungsräumen besichtigen: abstrakte oder figürliche Kompositionen, die vereinzelt Erinnerungen an die Arbeiten von Alberto Giacometti aufkommen ließen.

Die Pianisten Susanne Klar, Veronika Keber an der Querflöte und der temperamentvolle Klarinettist Ako Karim starteten mit Werken von Caspar Kummer, Robert Schumann und der spannungsreichen Komposition „Under Lindetreet“ des norwegischen Komponisten Morten Gaathaug. Abrupte Einsätze, Töne, die wie Tropen in ein Meer aus Musik fielen, abgelöst durch einen Dreiklang der Musiker, unterschwellige Dramatik und wiederkehrende Passagen bis hin zu einem sich selbst karikierenden Ende begeisterten das Publikum.

K.D. Wentz am Kontrabass und Gitarrist Benjamin Kolloch verstärkten nach einer ersten Pause das Ensemble bei den rhythmisch-folkloristischen Melodien des Klezmer und Oriental Jazz. Ako Karim reichte Percussion-Instrumente an die Besucher und ermunterte diese zu klanglicher Unterstützung. Tamburinklänge, die rauschenden Wogen zweier Rainmaker sowie das Grollen einer Thunder-Drum untermalten das Traditional „That Feeling Freilach“ oder unterstrichen den behäbigen Rhythmus von „Qoulou“. Ako Karim führte das Ensemble im Verlauf von zwei Stunden auf seiner Klarinette oder dem Saxophon. Nur beim Traditional „Halleluya“ wechselte er zu Zimbeln und unterstrich eines der wenigen ruhigen Arrangements mit sanften rhythmischen Akzenten.

„Auch nur ein Mann !“ Frau v. Wolzogen über Schiller

„Was für ein Theater mit Schiller“ hieß es am Sonntagabend im Idsteiner Kulturforum Speicher. Die Schauspielerin Gertrud Gilbert aus Bad Nauheim schlüpfte für das Idsteiner Publikum in die Rolle der Caroline von Wolzogen. Als Schillers vielgeliebte Schwägerin präsentierte Gilbert den Besuchern eine Gegenüberstellung: Hier ihre Schiller überhöhende Biografie, dort Erinnerungen an Schiller als exzentrischen Mann mit allerlei Liebschaften

Die Schauspielerin G.Gilbert als Fau v. Wolzogen

Gertrud Gilbert nutzt bereits den Weg zur Bühne für ihre Schauspielkunst: Lesend, ein Selbstgespräch führend, tritt sie vor das Publikum. Zwei kleine Tischchen, eine brennende Kerze, Federkiel und ein Paravent mit Portraits stellen die Atmosphäre jener Schreibstube nach, in der sie ihre Hommage an Schiller vollendet hat. “Was hab ich für Dich gelogen. Nur dem Gesetz des Geistes sollte meine Biografie untergeordnet sein. Edel sollten Deine Motive sein - schon von Jugend an“, verkündet die Schauspielerin.

Gertrud Gilbert spielt intensiv. Sie legt die Rolle der Caroline von Wolzogen widersprüchlich an: Schwankend zwischen dem Ärger über Schillers Liebschaften, sich ereifernd über seine Amouren zu Schauspielerinnen und neidisch auf Charlotte von Kalb „Deiner Kardinalfreundin in Mannheim“. Dann wieder zeigt sie sich privat und vertraulich, verniedlicht ihren geliebten Schiller zum „Lausejungen“. Gilbert stellt sich vor dem Paravent, erhebt das Glas auf Schiller, setzt sich an den Schreibtisch und blättert in Manuskriptseiten, nimmt Bücher zur Hand, greift nach Briefen.

Ihr Wechselspiel auf emotionaler wie inhaltlicher Ebene charakterisiert die fast neunzigminütige Vorstellung. Gilbert stellt Carolines verklärte Liebe, die sie in ihrer veredelten Biografie zu Papier gebracht hat, Momenten voller Wehmut, Trauer und Wut gegenüber. Das ganze arrangiert als Mosaik aus Briefen, Zitaten aus Texten wie „Kabale und Liebe“, Erinnerungen und aktuellen Kommentaren.

Im ersten Teil steht die Auseinandersetzung mit den Liebschaften Schillers im Mittelpunkt. Gertrud Gilbert zitiert aus dem von ihr verfassten „Leporello Amoroso - siebzehn Seiten Weibergeschichten“. Als Caroline von Wolzogen beklagt sie sich: „Nie habe ich ein Gedicht von Dir bekommen“ und wertet Schillers Liebesbriefen an Laura ab „Das ist ja Schwulst hoch drei“ und „Ach, das sind nur poetische Fingerübungen“.

Nach der Pause widmet sich Gertrud Gilbert der Liebesgeschichte zwischen Caroline von Wolzogen und Schiller. Die Schauspielerin zeichnet wesentliche Stationen nach. „Ein staksiger, hohlwangiger, x-beiniger Mann mit herausragender Adlernase“, ist ihr aus der ersten Begegnung im Winter 1787 in Erinnerung geblieben. Sie resümiert über ihren diplomatischen Schachzug, Schiller mit ihrer jüngeren Schwester Charlotte zu verheiraten, um ihm nahe bleiben zu können und gedenkt ihrer Hochzeit mit Wilhelm von Wolzogen und Schillers Tod.

Gertrud Gilbert verkörpert Caroline von Wolzogen mit hoher Identifikation, insbesondere deren Auseinandersetzung zwischen ihrer überhöhten Liebe zu Schiller und dem Eingeständnis, dass der Dichter auch nur ein Mann war.

Susanne Gross

„Fenster zur geistigen Kraft“ aus der Idsteiner Zeitung

„Malerei ist geronnener Geist“, formuliert Christiane El Amir. „Meine Bilder sind Fenster zu einer geistigen Kraft und spiegeln den Dialog zwischen der geistigen Welt und der so genannten realen Welt“, bekennt die Malerin. Die in Lenzhahn lebende Künstlerin stellt im Idsteiner Kulturforum Speicher sechsundzwanzig ihrer Arbeiten unter dem Titel „Sichtbare Visionen“ aus. Begehbare Visionen, denn Christiane El Amir lädt die Besucher dazu ein, in ihren Bilderlandschaften spazieren zu gehen und von dem ihnen innewohnenden Geist berührt zu werden. Die Acrylbilder, Bleistiftzeichnungen und Aquarelle aus den Jahren 1977 bis zur Gegenwart zeigen Ausschnitte aus ihrem ganz eigenen Kosmos: Farbenfrohe und mystische Naturlandschaften, detailreich und jenseits der Zeit. Vielfach tauchen Frauen darin auf, die in ihrer Gestalt eine Göttin, eine Seelenfrau oder Urmutter verkörpern.

Urlandschaft

Markant ist bei ihren Acryl-Arbeiten die Freude an der Farbe und der aufscheinende Dialog mit einer anderen Dimension: Einem Raum jenseits der von uns real erfahrbaren und uns umgebenden Welt. Christiane El Amir integriert symbolhafte Elemente wie Kreise, Spiralen, Mondsichel oder Mandalas in die Naturlandschaften.

Im Acrylbild „Winterhauch“ gestaltet sie den Einzug des Winters in eine noch bunte Spätsommerlandschaft. Üppig blühende Blumen, rot und gelb geflammt, begrenzen die untere Bildhälfte. Den oberen Bereich füllt ein noch grün belaubter Baum aus. Nur einzelne Blätter weisen schon die typische Herbstfärbung von rot und gelb auf und korrespondieren mit den Blumen am unteren Bildrand. In das Blau der Bildmitte stürmt von links her eine weiße windige Spirale, deren Schweif aus Eiskristallen den Winter bringt. Vor sich her bläst die Böe ein einzelnes rotes Blatt.

Die Frauenfiguren von Christiane El Amir sind gleichermaßen präsent wie meditativ, hingebungsvoll und eingebunden in die kosmischen Zusammenhänge. Im Bild „In Blättern“ aus dem Jahr 2011 sitzt eine weibliche Figur inmitten einer urwaldähnlichen Landschaft. Sie hat sich im Schneidersitz auf dem Waldboden niedergelassen. Bekleidet ist die Frau lediglich mit einem gelben Lendenschurz. Ihren Körper schmücken Blätter, als ob sie dabei ist, mit dem Naturkosmos zu verschmelzen. Vor ihrer Brust ist eine weiße Taube. Auch dies ein Symbol für die friedliche Beziehung zwischen Mensch und Natur im weitesten Sinn. Die Frau verharrt in einer meditativen Körperhaltung, passt sich in ihre Umgebung friedvoll ein, wohl wissend, dass sie einem ewigen Kreislauf entstammt und wieder dahin eingehen wird.

In Christiane El Amirs feinen Bleistiftzeichnungen zeigt sich schon früh ihr Talent und ihre individuelle Reaktion auf die reale Welt. In ihrem Werk „Musikstück mit Tuba, Bratsche und Flöte“ aus dem Jahr 1977 gestaltet sie einen Kopf als Windhose. Das Halbprofil türmt sich aus dem Meer heraus hinter einem kleinen Segelschiff auf. Markant ist die Gestaltung von Gesicht und Haaren: Ein Antlitz mit Lippen, Nase und Auge, doch im wilden, verschlungenen Haar winden sich ein Saiteninstrument, der Kopf einer außerirdisch wirkenden Person, ein Auge.
Sichtbare Visionen: Faszinierend und rätselhaft, symbolisch und konkret.

Susanne Gross

„Ein Koffer voller Inspirationen“ aus der Idsteiner Zeitung

Ein Koffer mit Fotos, Briefen und Familienstamm­büchern – weitergereicht von der Mutter an die Tochter - diente ihr als Inspirationsquelle: Traudel Collet stellt unter dem Titel „Rekonstruktion – Eine Spurensuche“ Acrylgemälde und Collagen im Idsteiner Kulturforum Speicher aus. Die in Aarbergen-Daisbach lebende Künstlerin präsentiert sechsundzwanzig Arbeiten, die sich mit den Thematiken Vergänglichkeit, Erinnerungen und der Zeitgeschichte auseinandersetzen. Dabei folgt sie in ihren Werken den Spuren der mütterlichen Linie. Den erweiterten Personenkreis um die Großmutter bis hin zur eigenen Tochter zeigt sie in Bezug zueinander oder stellt die vier Frauen in den Lebenszusammen­hängen der jeweiligen Epoche dar.

Hochzeit

„Für mich ging es bei diesen Werken um die Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Familie. Dabei entwickelte sich die Arbeit als ein großes Stück Vergangenheitsbewältigung“, erklärt Traudel Collet und ergänzt: „Ich zeige ein Panorama, zu dem ich gehöre. Dennoch haben alle Personen ein eigenes Schicksal“.

So reichen die Bilder zurück bis in die Anfangszeiten des letzen Jahrhunderts, machen Station im zweiten Weltkrieg und werfen mit dem „Zukunft“ betitelten Portrait der eigenen Tochter einen Blick nach vorne.

Im Eingangsbereich empfängt ein Bild des bedeutsamen Koffers den Betrachter: „Der Koffer und seine Schätze“ erinnert im Stil an René Magritte. Aus dem in ocker, beigen und braun gestalteten Malgrund hebt sich der Koffer einzig durch seine roten Konturen ab. Statt Juwelen oder Gold lugen aus dem geöffneten Gepäckstück Papiere hervor. Traudel Collet greift dieses Motiv auf allen drei Etagen der Ausstellungsfläche wieder auf. Immer deutlicher und präsenter gestaltet sie den Koffer, dessen Inhalt im Verlauf ihrer Arbeit mehr und mehr an Bedeutung gewann.

Generell spielt Traudel Collet mit Präsenz und Verschwinden. So präsentiert sie im Bild „Urgroßvater“ einen Mann mit strengen Gesichtszügen, mit Hut, Gehrock und hoch stehendem Hemdkragen. Er wird begleitet von einer Frau im zeitgenössischen Kostüm. Während die Gesichtszüge der Personen noch Individualität und Präzision aufweisen, verlieren sich ihre Konturen zu den Oberschenkeln und Beinen hin, werden zu Individuen, die schon ein wenig verschwunden sind.

Ihre Mutter und Großmutter sowie die eigene Tochter präsentiert Traudel Collet besonders eindrucksvoll in der Arbeit „Vier Generationen“. Von rechts oben nach links unten und zur Bildmitte hat die Malerin die Köpfe der vier Frauen in zwei aufeinander bezogenen Diagonalen arrangiert. Im Verlauf folgt die Jugend dem Alter. Damit korrespondiert die sensible Wahl der Farben: Während das Gesicht der Großmutter schon fast im Dunkeln verschwindet, werden die Gesichter bis zur Tochter immer heller und präsenter.

Das Bild „Zukunft“ weißt mit dem Portrait der Tochter über die Gegenwart hinaus. Die junge Frau blickt mit klarem Blick nach links obern. Ihr Gesichtsausdruck ist offen, bestimmt und präsent. Doch der vielfarbig angelegte Hintergrund durchdringt den Oberkörper der jungen Frau, gleich einem Sinnbild dafür, dass das Schicksal auch dieses Leben durchdringen wird.

In ihren Collagen „Oma“ und „Mutter“ verwendet Traudel Collet Originalbilder und Dokumente, etwa Tagebuchnotizen und Zeitungsausschnitte der Aachener Nachrichten und verschmilzt diese zu einer Einheit.

Obschon die Ausstellung sehr persönlich angelegt ist, eröffnet sie den Besuchern die Möglichkeit, sich mit grundsätzlichen Fragen nach dem Vergehen der Zeit und dem Überdauern von Erinnerungen zu beschäftigen.

Die Ausstellung dauert bis zum 22. Mai. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Am 14. und 15. Mai können Interessierte unter Anleitung von Traudel Collet eigene alte Familienfotos in zeitgemäße Malerei umsetzen oder farblich gestalten. Kursdauer: Jeweils von 14.30 bis 17.30 Uhr. Preis: 50,00 €. Information unter 06120-904710 oder traudel.collet@gmx.de sowie unter www.speicher-idstein.de.

Transmaterialismus von A. Bayreuther

Von: Susanne Gross


Scharfe Kanten und sanfte Übergänge, zweidimensionale Objekte und dreidimensionale Formen verbindet Adrian Bayreuther in seinen Bildern.
Unter dem Titel „Transmaterialismus“ zeigt der Künstler seine Werke im Idsteiner Speicher. Der in Eschborn lebende Maler präsentiert dreizehn Arbeiten: Konstruktivistisches in Acryl, eine Collage aus Wellpappe und Gouache sowie ein synästhetisches Aquarell.
Charakteristisch für die Malweise von Adrian Bayreuther ist die Verschmelzung abstrakter Formen: Diagonalen, Überschneidungen, angeschnittene Farbflächen sowie geometrische, oftmals an kristalline Strukturen erinnernde Formen, überlagern und durchdringen einander.

A. Bayreuther

Im Bild „Transmaterialistische Konstruktion“ platziert Bayreuther einen schwarzen Rahmen innerhalb einer nachtblauen Farbfläche. Gleich einem Rahmen im Bild stellt die Konstruktion gewohnte Sehweisen in Frage. Gelbe, grüne und rote Balken kreuzen den Rahmen. Kleine korrespondierende Farbstriche verteilen sich im unteren Bilddrittel. Bayreuther spielt mit der Wahrnehmung des Beobachters, indem er die Einfügungen mit Schatten unterlegt, die nur auf dem Rahmen auftauchen. Die markanteste Stelle innerhalb der Arbeit bildet der gelbe Balken. Dessen Berührungspunkt mit dem Rahmen weist nicht die charakteristischen scharfen Konturen auf. Stattdessen schafft ein sichtbarer Pinselstrich einen sanften Übergang.
Bayreuthers Arbeit „Malerische Architektonik“ ist ein Beispiel für seine durchkonstruierte Malerei. Der Künstler komponiert kristalline Formen auf der Leinwand. Weiße und schwarze Farbflächen treffen in scharfen Kanten aufeinander. Wo blaue Farbe ins Weiß oder Schwarz verläuft, sind die Übergänge nuanciert und schattig. So vereint das Bild harte und zarte Elemente, bildet definierte Klarheit und ungewisse Übergänge gleichermaßen ab.
Das Aquarell „Synästhetisches C“ entstand dank der Fähigkeit von Adrian Bayreuther, Töne als Farbe wahrzunehmen und in Malerei umzusetzen. Ein Block schwarzer Farbe umfängt einen zartroten Rahmen. Dieser Ton als Farbe umschließt wiederum einen dunklen Kern.
Bei der Arbeit „Stadtpark“ arbeitet Bayreuther mit Wellpappe. So idyllisch der Titel klingt, so gegensätzlich stellt sich der Bildinhalt dar: Kondensstreifen von Flugzeugen, Bahngleise, an Plattenbauten erinnernde Hochhäuser sowie zwei Kreuze sprechen von hereinbrechender Zivilisation und Vergänglichkeit. Lediglich ein astloser Birkenstamm erinnert an eine überlebte grüne Erholungszone.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Arbeiten der Künstlergruppe „Drittes Paradigma“. Izabella Pavlushko ist mit zwei Acrylarbeiten vertreten, Constantin Severin präsentiert sein Ölgemälde „Text und Zeit #4“. Werke von Alberto D’Assumpcao und Olga Dmytrenko runden die Ausstellung ab.
Zur Vernissage spielten Wolf Creek aus Bad Soden. Sabine und Heinz-Jürgen Seufert präsentierten Folkmusik, Bluegrass und Country-Songs, etwa das Stück „Duelin Banjos“.
Die Ausstellung dauert bis zum 25. April. Öffnungszeiten: Samstag, Sonntag und Ostermontag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.



Allerhand Kabarett mit Pro-Viel-Neurosen v. Susanne Gross

Pro-Viel-Neurosen – das neue Kabarettprogramm von „ALLERHAND!“. Carola von Klaas und Christina Ketzer bieten in bewährter Manier Unterhaltungskunst zwischen Comedy und Kabarett. Ihr zweites Programm dreht sich rund um die kleinen bis großen Eigenheiten des Einzelnen und ganzer Bevölkerungsgruppen.

Carola v. Klass und Christine Ketzer in ihrem neuen Programm

Zur Uraufführung im Idsteiner Speicher waren die Stuhlreihen voll besetzt. Selbst auf der Empore hatte sich Besucher niedergelassen, um die heiter-kritischen Sketche der beiden Kabarettistinnen zu verfolgen. Und die Gäste wurden mit fast zwei Stunden bester Unterhaltung belohnt. Schlag auf Schlag: Carola von Klaas und Christina Ketzer reihen ihre 21 Szenen schnell aneinander: Mal treten sie solo auf, dann wieder als perfekt aufeinander eingespieltes Duo.

Textsicherheit, eine leidenschaftliche Spielweise und Ausdrucksstärke bringen das Publikum von der ersten Szene an zum Lachen. Mit humorvollen Dialogen und sinnreichen Solotexte punkten die beiden Künstlerinnen bei den Zuschauern. Sie beobachten den Zeitgeist und karikieren dessen Auswüchse auf ihre unverwechselbare Art
.
Die Bühne: Ein zweistufiges Arrangement mit Korbsesseln, rundem Holztisch und Liegestuhl. Diese vier Quadratmeter verwandeln sich mal in das Wartezimmer einer Schönheitsklinik, dann wieder zur Bühne für „Rasant TV“ oder in den Behandlungsraum einer Zahnarzt-Praxis.
Zumeist dienen wechselnde Kostüme Carola von Klaas und Christina Ketzer als Requisiten. Zudem schlüpfen sie sprachlich in ihre unterschiedlichen Rollen: Hier sächselnd, dort ein französischer oder amerikanischer Akzent. Schließlich ein Gruß aus der Schweiz, als sie über effiziente Bankgeschäfte der „Rankli Bankli“ sinnieren.

Viele Lacher erntet Christina Ketzer für ihren Auftritt als Mitarbeiterin in der Patienten-Aufnahme einer Klinik. Hier werden vornehmlich wohlhabende Scheichs operiert. Voller Stolz präsentiert die Künstlerin erste Erfolge ihres Englischkurses. Sie radebrecht sich auf Deutsch, Hessisch und Englisch durch eine Knieoperation: „The Knie-Frisbee comes away and the new one druff“, verkündet sie voller Ernst.

Brillant zeigt sich Carola von Klaas als Moderatorin von „Germanys next Schrott-Model“. Schon ihr schrilles Outfit sorgt für Lacher: Eine blonde Perücke mit lila Haarband, dazu ein Westchen über dem aprikotfarbenen Trikot und geblümten Leggins. Sie moderiert die Show für das Model der Generation 50-Plus. Gekonnt wandelt Carola von Klaas auf ihren High Heels zum Publikum, um den Teilnehmern des Castings die richtige Gangart vorzustellen.

Die Lachmuskeln trainiert auch der Auftritt der beiden Künstlerinnen als Gegner von Fernsehköchen. Zunächst sind nur Stimmen seitlich der Bühne zu hören. Dann stürmen die beiden vermummten Frauen nach vorne. Sie besprechen ihre Attacken auf Lafer, Lichter und Mälzer. Mit Schneebesen und Kochtöpfen bewaffnet, sabotieren sie die Sendungen der Kochprofis. „Ich zu Markus Lanz im Studio 5. Du zu Tim Mälzer in Studio 1“, stimmen sie ihre Pläne aufeinander ab.

Zum Ende des Abends laufen Carola von Klaas und Christina Ketzer zu Hochformat auf und präsentieren „DSDAS - Deutschland sucht den Alpenländischen Superstar“. Carola von Klaas singt als Salome „Es jodelt der Seppl bei Tag und bei Nacht“ während Christina Ketzer sich bei dem „Klipp-Klapp-Lied“ durch ein Atomunfallszenario trällert. Schließlich geben sie als „Duo Florentine und Josefine“ Hip-Hop-Rap und Opern-Arien zum Besten.

Wohlverdienter Applaus zum Ende. Das Programm der Künstlerinnen kam an. Ihr Profil: Kritische Blicke auf Zeit und Zeitgenossen mit Humor und Tiefsinn präsentiert.

Weitere Vorstellungen: Freitag, 25.03. und Samstag, 26.03. - jeweils 20 Uhr. Es gibt noch Restkarten.

Stimmungsvolle Musik zum Träumen

Kai Habeth und Mathias Kippert als Duo Diffrance im Idsteiner SPEICHER.
„Französische Chansons und englische Songs – Musik zum Zuhören und Träumen“ versprachen Kai Habeth und Matthias Kippert. Als Duo Diffrance boten die beiden Musiker einen Abend lang Melodien von Gilbert Becaud über Georges Moustaki bis hin zu Bob Dylan. Für die in Kriftel und Lorsbach lebenden Künstler bedeutete ihr Auftritt im Kulturzentrum Speicher zudem ihre Idsteiner Premiere.

Kai Habeth u. Mathias Kippert im Speicher

Zwei Holzstühle, Western- Gitarren mit Stahlsaiten, zwei Notenständer - die Vorführung begann. Mit „bienvenue“ begrüßte Matthias Kippert die Besucher. Neben dem Gesang übernahm der Musiker zudem die Moderation: Er übersetze einen Teil der Stücke und lieferte kurze Informationen zu den Chansoniers. Die räumliche Nähe zum Publikum nutzte Kippert zum Dialog mit den Zuhörern, etwa wenn er die Anwesenden fragte: „Welche Stücke hat Gilbert Becaud gesungen?“
Wer sich an diesem Abend für das Konzert entschieden hatte, suchte bewusst den Ausflug in die Vergangenheit. Mit den dargebotenen französischen Chansons und englischen Songs lieferten die Musiker die Grundlage für nostalgische Erinnerungen an Auslandsaufenthalte, Studientage oder Reisen. Dementsprechend bewegten sich die Lippen der Besucher beim Refrain von „Comme de bien entendu“ oder „Un peu de paradis“ von Joe Dassin. Die Zuhörer teilten die Begeisterung von Kippert über den poetischen Text von „J’aime Paris au mois de mai“ von Charles Aznavour, einer Liebeserklärung an die französische Hauptstadt. Bei diesem Solo von Matthias Kippert begleitete sich der Musiker zudem auf einer Mundharmonika.

Wie einen roten Faden zog sich das Thema „Liebe“ durch die französischen Chansons - Lieder die ganze Geschichten erzählten. So etwa bei der „Ballade de Jim“ von Alain Souchon. Das Stück handelt von einem Mann, der sich immer wieder aufs Neue verliebt. Selbst als diese Gefühlsstürme zu einem Unfall führen, entflammt er prompt für die grünen Augen der Krankenschwester. Bei „Kilimandjaro“ von Pascal Danel verläuft der Herzschmerz tragisch: Eine Mann nimmt sich aus Liebeskummer das Leben. Kritische Töne schlugen Habeth und Kippert mit dem aktuelleren Stück „Manhattan Kaboul“ von Renaud an. Der Künstler schrieb das Chanson nach dem Attentat von 11. September. Melodie und Text reflektieren die Tragik der Ereignisse.

Nach der Pause erweiterten Kai Habeth und Matthias Kippert ihr Repertoire. Sie bezogen englischsprachige Titel mit in ihr Programm ein. Das Stück „Volons vers la lune – Fly me to the moon“ lieferte Songzeilen sowohl in französischer als auch in englischer Sprache. Mit „Free fallin“ von John Mayer bot Kai Habeth ein Solo. Nach Gordon Lightfoods „If you could read my mind“ und „Wheels on fire“ von Bob Dylan kehrten sie mit einem „Mesdames et Messieurs“ wieder zurück zu den Chansons. Schließlich sangen bei der bekannten Melodie „La Ballade des gens heureux“ - der Ballade der glücklichen Leute - die Besucher erneut den Refrain mit.

Auch bei den Zugaben lieferten Habeth und Kippert zunächst einen Ohrwurm: Das Stück „Aux Champs-Elysées“ von Joe Dassin. Auf Wunsch aus dem Publikum sang Matthias Kippert dann mit „La chanson de jacky“ ein Stück von Jacques Brel. Ihre Interpretation von „Dream a little dream of me“ entließ die Besucher zurück in die Gegenwart.

Susanne Gross






Farbenwind

Von: Susanne Gross


„Farbenwind“ - mit Malerei von Doris Michler sowie Accessoires und Seidenkleidern der Schmuck- und Modekünstlerin Elke Peschke startet das Idsteiner Kulturforum Speicher in die Saison 2011. Die Künstlerin Doris Michler präsentiert dreißig Arbeiten, angefertigt aus Acryl und Wachs oder als Collagen mit Svarowski-Steinen, Glas und Draht. Elke Peschke zeigt ihre Ketten aus Jade, Koralle und Süßwasserperlen sowie von ihr entworfene Mode im Stil des Art-Deco

Vernissage am 19.02.2011

Emotionalität bildet die Grundlage der Bilder von Doris Michler. Das offenbart sich bereits in der Wahl ihre Titel: Dank, Optimismus, Lebensfreude, Sinnlichkeit liegen ihrem Schaffensdrang zu Grunde. In den Kompositionen und dem Auftrag von Acryl oder Wachs bannt sie ihre Gefühle. Doch die in Niedernhausen lebende Malerin wendet sich in den ausgestellten Bildern auch floralen Motiven zu, etwa bei „Dold`s Garten“ oder „Tropical“, einer schwungvoll aufgefächerten Komposition aus roten, braunen und olivgrünen Pflanzenstrukturen. Zudem präsentiert Doris Michler abstrakte Arbeiten, wie etwa „Amadors Zukunft“. Dabei verschmelzt die Künstlerin schon im Bildtitel zwei Vornamen und setzt diese Verschränkung in der Komposition von Rot, Schwarz und Grau fort: Sie lässt die Farbflächen ineinander übergehen, sich hier deutlich abgrenzen, dort ein Sternenmuster zeigen. Ergänzt wird das Bild von dem Werk „Amadors Liebe“. Diese Arbeit setzt das Spiel der Flächen in Nuancen von Grau, Schwarz und Lila fort.
Während Doris Michler bei ihren Acryl-Arbeiten die Malkartons und Leinwände vollflächig mit Farbe füllt, setzt sie bei der Mischtechnik aus Wachs und Acryl auf eine andere Optik. Hier zeigen die Oberflächen der Bilder eine transparente Tönung. Das ist der Fall bei dem limitierten Kunstdruck „Eingang“ sowie bei den kleinen monochromen Bildtafeln rund um die Vielfalt der Gefühle: Ein dunkles Grün drückt Zuversicht aus, leuchtendes Rot steht für Sinnlichkeit.
Elke Peschke zeigt eine Auswahl ihrer Kleider aus Shanghai-Seide, ergänzt um lange Schnürketten und eng am Hals anliegende Colliers aus Amethyst und Citrin. Die in Wiesbaden lebende Stewardess liefert einer Schneiderin in Shanghai Ideen für ihre Oberteile. Auf zehn Kleiderpuppen präsentiert Elke Peschke die entstandenen Einzelstücke: Ohne Taille. Stattdessen besetzt sie deren Saum mit Marabu- oder Emu-Federn. Bei einer Bluse gehen die Ärmel in Volants über. Sie wird ergänzt mit einem geknöpften Kaschmir-Oberteil, das Elemente von Jacke und Cape in sich vereint.
Die Ketten entwirft und gestaltet Elke Peschke ebenfalls ganz individuell. Für die Unikate verwendet sie Fundstücke von den Antik-Märkten in Peking und Shanghai. Sie fädelt ovale Perlen, Blüten und Schmetterlinge zu taillen-langen Exemplaren. Bei ihren Colliers stellt sie Blüten in unterschiedlichen Größen und kleine Perlen zu schmückenden Kunstwerken zusammen.
Im Rahmen der Vernissage las Doris Michler sieben Texte aus ihrem Buch „Nur einen Cent für jede Träne“. Bei „Alte Liebe rostet“ schilderte sie das Zusammentreffen einer Frau mit ihrem Ex-Verlobten - und deren Ernüchterung nach fünfzehn Jahren Trennung. Für „Gelungene Diät“ schlüpfte sie in die Rolle einer Frau, die sich nach einen mit Fasten verbrachten Tag am Abend mit Lasagne und einer Flasche Rotwein belohnt. Gitarrenklänge und Gesang lockerten den Vortrag auf. Jürgen Peschke und sein Sohn Louis trugen zwischen den Texten „Yesterday“ von den Beatles oder „Annie’s Song“ von John Denver vor. Louis Peschke beendete die Vernissage mit dem Titel „Chasing cars“ von Snow Patrol.
Die Ausstellung dauert bis zum 27.03. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Cello meets Jazz

Virtuos das Spiel, spannungsreich die Arrangements, ungezwungen die Konzertatmosphäre. Das Duo „Cello meets Jazz“ nährte mit Violoncello und einer Halbakustik-Gitarre die Illusion, einer großen Besetzung zu lauschen. Bei ihrem Jubiläumskonzert im Idsteiner Speicher präsentierten Christopher Herrmann und Marek Herz fast auf den Tag genau fünf Jahre nach ihrem ersten Gastspiel Raum füllende Stücke von den Beatles, Sting oder Chick Corea, trugen Jazz-Klassiker wie „Take five“ sowie eigene Kompositionen vor.

Christopher Herrmann und Marek Herz

Christopher Herrmann und Marek Herz verstanden sich auf die Kunst, Spannung und Aufmerksamkeit bei den Zuhörern zu erzeugen. Intensität in der Spielweise und den Bearbeitungen kennzeichneten sämtliche Passagen - sei es bei der sanft dahin wandernden Komposition „Persia“ von Marek Herz oder dem als Kontrast vorgetragenen Stück „Spain“ nach Chick Corea. Die spielerische Bannkraft entlockte den Zuhörern ein begeistertes „Toll“ noch vor den letzten Tönen.

Die beiden Musiker spielten miteinander, ergänzten einander. Christopher Herrmann in schwarzem Hemd und schwarzer Hose aufrecht hinter seinem Violoncello sitzend, Marek Herz leger in Jeans und gestreiftem Oberteil über seine Halbakustik-Gitarre gebeugt. Sie tauschten freundschaftliche Blicke oder gingen auf in ihrem konzentrierten Musizieren.

Selbstbewusst in ihrem Spiel, ungezwungen und offen im Umgang mit dem Publikum waren sie als Künstler und Menschen gleichermaßen präsent. Bei der Moderation wechselten sich die beiden Musiker ab. Sie erzählten von den Entstehungsgeschichten einzelner Werke und holten die Zuhörer zurück in die Gegenwart, obschon man zuvor geneigt war, sich einzig dem Klangerlebnis hinzugeben.

Neue Kompositionen standen neben Bewährtem, wie etwa dem Klassiker „James“ von Pat Metheny. Marek Herz scherzte, als er behauptete: „Das Stück habe wir schon vierhundert Mal auf unterschiedliche Art miteinander gespielt - die „best of version“ gibt es heute.“

Neben ihrem spielerischen Können überzeugten die beiden Musiker auch durch ihre eigenen Kompositionen. Emotionalität klang an in „Just in case“ von Christopher Herrmann. Wie der Titel bereits erahnen ließ, begann das Stück gefühlvoll. Es erzählte von dem Versprechen, in Krisenzeiten für einander da zu sein – basierend auf gemeinsamen Erfahrungen.
Musikalisches Gefühlskino brachte das vom „Schlaier-Hirt-Duo“ für Saxophon und Gitarre geschriebene Stück „Majoh“. Eine Melodie im Leinwandformat, die von Weite und den unbedingten Wahrheiten des Lebens erzählte und der man sich als Zuhörer nicht entziehen konnte.
Überspitzt, karikierend und geradezu ironisch spielten Herrmann und Herz als erste Zugabe das Stück „Sexbomb“ von Tom Jones. Mit Pfiffen und „so schön Rufen“ verabschiedete sich das Publikum mit der Hoffnung auf ein erneutes Konzert - und das nicht erst in fünf Jahren.

Susanne Gross

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